Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

“Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez” ist eine Dokumentation aus dem Jahr 2006. Die produzierenden Länder waren die Schweiz und Deutschland. Regie führte Heidi Specogna, die sich neben Erika Harzer auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Der Dokumentarfilm beschreibt das Leben des aus Guatemala stammenden José Antonio Gutierrez, der, obwohl er zum Zeitpunkt seines Todes zwar für die US-Streitkräfte im Irak kämpfte und dort fiel, nicht einmal amerikanischer Staatsbürger war.

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Ein Lebenstraum – vom Straßenkind zum Architekten

José Antonio Gutierrez wächst in Guatemala als ein typisches Straßenkind auf. Typisch, weil in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land viele Kinder wie er auf der Straße als Waisen aufwachsen mussten, denn das Leben derer Eltern war einer der Tribute, die dieser Krieg forderte. Allerdings entkommt er dieser Spirale aus Gewalt und Armut, indem er in einem Waisenhaus unterkommt. Während dieser Zeit beginnt er nach seiner Schwester zu suchen, die er auch findet. Später ergreift in die Idee, dass er gerne Architekt werden möchte, kreatives Geschick beim Zeichnen bringt er mit. Jedoch sieht er in seinem Heimatland keine Perspektiven, tatsächlich diesen Beruf erlernen zu können. So beschließt er, in die USA auszuwandern. Die Route führt ihn nach Mexiko und von dort muss er drei Versuche unternehmen, bis ihm schließlich die illegale Einreise gelingt.

Der tragische Tod von José Antonio Gutierrez als einer der ersten gefallenen Soldaten des Irakkriegs

Der inzwischen 22 Jahre alte Mann sieht wesentlich jünger aus und so gibt er bei den amerikanischen Behörden an, minderjährig zu sein, denn minderjährige Flüchtlinge werden nicht ausgewiesen. Er besucht die Highschool und hört von dem Gesetz, das George Bush verabschiedet hat. Migranten, die noch nicht die US-Staatsbürgerschaft, aber die Greencard besitzen, soll der Einbürgerungsprozess wesentlich vereinfacht werden, wenn sie sich zum Wehrdienst melden. José Antonio Gutierrez sieht darin seine große Chance, über diesen Umweg seine Karriere als Architekt in die richtigen Bahnen zu bringen. Allerdings muss zunächst seinen Kriegseinsatz zu Beginn des zweiten Irakkriegs absolvieren. Schon nach wenigen Tagen kommt er jedoch unter “Friendly Fire”, also Beschuss durch die eigenen Truppen, ums Leben.

Der Held eines fremden Landes

Die Dokumentation führt die Regisseurin zunächst nach Guatemala. Dort interviewt sie Bekannte und Freunde des Gefallenen. Aber auch Familien kommen zu Wort, die mit ihrer Greencard ähnliche Hoffnungen verbanden, wenn sie Militärdienst in den USA leisten würden. Der Film folgt dann der Fluchtroute des jungen Mannes über Mexiko bis in die USA. Die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt José Antonio Gutierrez posthum, zudem wurde er in den USA wie ein Held gefeiert, denn er gehörte zu den ersten gefallenen Soldaten dieses Krieges. Seine Schwester erhielt später ein Visum für die Vereinigten Staaten. Die Dokumentation erhielt später mehrere Auszeichnungen, darunter den Schweizer Filmpreis und den Grimmepreis. “Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez” war nicht der erste Dokumentarfilm der schweizerischen Regisseurin Heidi Specogna. Sie drehte schon vor diesem Film zahlreiche Dokumentationen und Kurzfilme.